22 - 06 - 2018

Information und Unterschriftensammlung auf dem Kohlmarkt

Informationsstand am Samstag, den 9. Februar 2013 auf dem Kohlmarkt

 Der Rat der Stadt beabsichtigt, das untertänige und geschichtsfälschende "Kultur-Projekt 1913" mit 1,2 Mio.€ aus öffentlichen Kassen in seiner Haushaltsberatung am 19.2.2013 zu befördern. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger fordern dagegen in einer Unterschriftenliste:

"Wir sollen keine Verherrlichung der Monarchie - wir wollen Demokratie statt Untertanengeist

Wir wollen nicht, dass 1,2 Mio.€ öffentlicher Gelder für Fürsten-Verherrlichung ausgegeben werden.

Wir wollen stolz auf alle sein, die sich 1913 und auch danach gegen Krieg und Militarisierung und für ein allgemeines Wahlrecht eingesetzt haben."

Gut besuchte Veranstaltung des Arbeitskreises

Dem kenntnisreich und locker dargebrachten Vortrag folgten ca.120 Interessierte.

Einen Video-Mitschnitt der Veranstaltung gibt es  H I E R .

                                             1913 – das letzte Vorkriegsjahr

Zum Vortrag von Prof. Georg Fülberth am 24. 1. 2013 im Gewerkschaftshaus

Den engen Zusammenhang der Jahre 1913 und 1914 zu unterstreichen war eines der durchgängigen Themen des Vortrags, den der emeritierte Marburger Politologie-Professor Georg Fülberth als Auftakt zur geplanten Veranstaltungsreihe des  Arbeitskreises „Jetzt schlägt´s 13“ hielt. Der Arbeitskreis hat sich zur Aufgabe gesetzt, die unsinnige und geldverschwenderische Konstruktion des „magischen Jahres 1913“, von dem Professor Christoph Stölzl in der Neujahrsveranstaltung der Stadt geschwärmt hatte, anzuprangern. Georg Fülberth stellte, konträr zur offiziellen Position der städtischen Kulturverwaltung, die These auf, 1913 sei vielmehr das letzte Jahr einer 43-jährigen Vorbereitung auf den Krieg gewesen, dessen Unausweichlichkeit seit dem Ende des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 feststand.

Der Streit um Elsass-Lothringen, dessen Verlust Frankreich nicht verschmerzen konnte, markierte die politische Dimension des Konflikts, der zwangsläufig zum Krieg führen musste; das weltweite Konkurrenzstreben der Industrie bildete die wirtschaftliche. Fülberth  erläuterte den Standpunkt der deutschen Militärs, als deren Vordenker Erich Ludendorff fungierte: Da der Krieg aus ihrer Sicht nicht zu vermeiden war, wollten sie den günstigsten Zeitpunkt seines Beginns selbst bestimmen.

Dazu kamen innenpolitische Gründe, vor allem die Furcht vor der Sozialdemokratie, die 1912 stärkste Kraft im Reichstag geworden war, sowie die unaufhaltsame Notwendigkeit einer Demokratisierung des Heeres, dessen Offizierskorps bisher allein dem Adel entstammte. Aufgerüstet wurde längst, die Drohung mit einem neuen Krieg hing wie ein Damoklessschwert seit Jahrzehnten über der deutschen Politik. Im Sommer 1914 wollte  man in Berlin die Krise um den Tod des österreichischen Thronfolgers nicht unnütz verstreichen lassen und tat nichts, um Österreich zurückzuhalten. .

Auf die Frage eines Zuhörers, warum die Sozialdemokratie entgegen ihren eigenen Vorsätzen mitgemacht habe, verwies der Referent auf das tiefsitzende Bedürfnis der Genossen, „mitspielen zu dürfen“. Und was die Braunschweiger SPD bewogen habe, einen solchen unsinnigen Spektakel zuzustimmen?, war die nächste Frage, die nicht vom Referenten, sondern aus dem Saal beantwortet wurde. Der Teilnehmer verwies darauf, dass fast alle Parteien im Rat  sich des ideologisch fragwürdigen Charakters des 1913-Projekts nicht bewusst gewesen seien. Sie hätte nicht gemerkt, dass hier unterschwellig für vordemokratische Verhältnisse geworben werde, was recht gut zum ´postdemokratischen Charakter unserer Zeit passe, woweitreichende Entscheidungen eher in geheimen Zirkeln als in gewählten Gremien fallen.

Das zahlreich erschienene Publikum dankte mit langem Beifall für die überzeugende Darstellung. Dem OB und der Kulturverwaltung wie auch ihren Helfern müssen die Ohren geklungen haben.

Ingeborg Gerlach

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