26 - 04 - 2018

Kaiserlicher Kriegsrat und Wehrverein 1912

Weichenstellung auf Krieg bereits 1912

Genau vor einhundert Jahren, im Dezember 1912 brütete der kaiserliche Kreigsrat unter Leitung von Kaiser Wilhelm II über detaillierte Angriffs-Szenarien gegen Frankreich und Rußland.

Zeitgleich wirkten hohe Militärkreise mit ihrem "Deutschen Wehrverein" auch im Herzogtum Braunschweig für Kriegsstimmung in der Bevölkerung (siehe die Aufrufe in Braunschweiger Zeitungen Nov.1912, Bild oben).

Solche historischen Fakten möge man doch bitte im Braunschweiger Kulturprojekt 1913/2013 umschiffen, das geht aus internen Rathauspapieren hervor:

"Der Erste Weltkrieg ab 1914 sollte unbedingt ausgeklammert werden",

so Prof. Stölzl zur Begründung des Konzeptes der Kulturverwaltung, "in der Hochzeit von 1913 verbildlicht sich die Macht" ;  der Ex-CDU-Funktionär Stölzl beschwört die"Magie des Datums 1913"  (Gesprächsprotokoll des Treffens vom 14.6.2012 in Schloss Richmond)

Krieg schon Ende 1912 beschlossene Sache

Exakt vor 100 Jahren fand sich am 8.12.1912 unter dem deutschen Kaiser Wilhelm der "Kriegsrat" zusammen.
Dazu ist am 07.12.2012 in der "Junge Welt" ein grundlegender und ausführlicher Artikel erschienen:

"Je eher, je besser".

Demnach war bereit am 8.12.1912 der Krieg als Präventivkrieg, vor allem gegen Rußland und vor allem gegen Framkreich beschlossene Sache.

Stadt droht sich lächerlich zu machen

Diese Fakten (der systematischen Kriegsvorbereitungen des dt. Kaiserreiches spätestens dokumentiert in der Sitzung des kaiserlichen Kriegsrates am 08.12.1912) wurden übrigens auch schon von Andreas Matthies auf bs-spiegel am 22.08.2012
herausgearbeitet:

"...
Krieg? „Je eher, desto besser“

In einer Zusammenkunft mit den höchsten deutschen Militärs am 8. Dezember 1912 habe der Kaiser den Krieg als „auch für uns unvermeidlich“ bezeichnet; Moltke, der Chef des Generalstabs, habe dem nicht nur zugestimmt, sondern sogar die Formal „Je eher, desto besser“ geprägt (S.360). Stürmer weist besonders darauf hin, dass August Bebel, der große Führer der deutschen Sozialdemokratie, schon 1911 im Reichstag vor dem bevorstehenden „großen Generalmarsch“ gewarnt habe, in dem „16 bis 18 Millionen Männer, ausgerüstet mit den besten Mordwerkzeugen, gegeneinander als Feinde ins Feld rücken“ – er sei von den konservativen Kräften ausgelacht worden (S. 352). Im Jahre 1913, „am Vorabend des Weltkriegs“, sei „die Atmosphäre in Deutschland gewitterschwül“ und die außenpolitische Lage „unheilschwanger“ gewesen. Und: „Aber die deutsche Führung war viel zu sehr ein Teil der Drohung“ (S.362).-

Im Übrigen sind sich die deutschen Historiker längst einig, dass die deutsche Führung einen „erheblichen Anteil am Kriegsausbruch“ gehabt hat (Nipperdey), diskutiert wird unter ihnen lediglich über die genaue Höhe dieses Anteils.

Hochzeit in „gewitterschwüler Atmosphäre“

Wenige Monate vor der Hochzeit fordert Wilhelm II. von seinem Staatsekretär, an der „Volkstümlichkeit eines Krieges gegen Rußland“ auch „mit seinen Pressemitteln“ zu arbeiten, also verstärkt Kriegspropaganda zu betreiben. Nach all dem dürfte klar sein: der Brautvater war drauf und dran, das deutsche Volk ins schwerste Unglück zu treiben, auch wenn die Braut das bis an ihr Lebensende nicht wahrhaben wollte. Wer beim Kulturprojekt „Braunschweig 1913“ diesen Zusammenhang ausblenden möchte, läuft Gefahr, sich – und, was viel schlimmer wäre: unsere Stadt – lächerlich zu machen. Forderungen wie „der erste Weltkrieg ab 1914 sollte thematisch unbedingt ausgeklammert werden“ und „ab 1914 Zeitenwende, das ist ein anderes komplexes Thema“ (Christoph Stölzl laut Protokoll der Gesprächsrunde vom 14. Juni 2012) haben das Potential dazu. Oder sollte es sich nur um ein Missverständnis handeln?

www.braunschweig-spiegel.de/index.php?option=com_content&view=article&id=3012:braunschweig-1913-weltgeltung-fuer-einen-moment&catid=66:politik-kategorie-kultur&Itemid=146

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