18 - 02 - 2018

Auch Braunschweig wusste 1913 bereits, dass ein Krieg bevorstand!

Ab dem 24. November 1912 berichteten alle Tageszeitungen in Braunschweig von „einer wirklich imposanten  Versammlung“ des Deutschen Wehrvereins in Braunschweig. Thema: „Ist Deutschland für den nächsten Krieg gerüstet?“ Vortragender war der adlige Generalleutnant Alfred von Wrochem.

Alle Zeitungen berichteten ausführlich.  Die  Braunschweiger Landeszeitung vom  24. November 1912 schrieb über diese Veranstaltung:

Über 2000 eingedeckte Sitzplätze und zusätzlich viele Stehplätze waren besetzt. Der größte Tagungsort in Braunschweig konnte nicht alle Besucher fassen.  Ein ehemaliger Staatsminister, zahlreiche Vertreter des Offizierskorps, viele Studierende der Technischen Universität, Kriegervereine und viele geladene Ehrengäste erwarteten gespannt die Ausführungen.

Der Redner, Generalleutnant Alfred von Wrochem, warb für eine Verzehnfachung des Gefechtswertes deutscher Kompanien, denn nur so „würden [wir] mit einem Schlage wieder die zahlenmäßige Überlegenheit besitzen und französischer Übermut und die frechen Tischreden trunkener englischer Minister würden sofort verschwinden. (Stürmischer Beifall) Kein Feind wird es wagen, die deutsche Faust zu erproben, aber es ist keine Zeit zu verlieren. Wir wollen unsere Jugend zu Männern erziehen […] Dienen heißt nicht kriechen und Deutschsein ist nicht byzantinisch. Sollte es zum Kriege kommen, so muß jede Nachricht, die zum harrenden Volke kommt, eine Siegesnachricht sein. (Stürmischer Beifall) […]

England steht haßerfüllt gegen uns da: es ist der Haß des Krämers gegen den Schädiger seines Geldbeutels. Schwach sind die Männer, die glauben, über die sogenannte schwarze Gefahr mit einem Lächeln hinweggehen zu können. Gott möge verhüten, dass die schwarzen nordwestafrikanischen Horden in unser Land kommen. Was dann, wenn dies nicht verhütet werden könnte? Das Los unserer Frauen und Töchter möchte sich jeder selbst ausmalen! Wir müssen bei einem großen europäischen Kriege die entscheidenden Siege vorweg erringen. Einem mit Millionen ins Land eindringenden Feinde seine Siegeserfolge wieder abzuringen , das wird nicht möglich sein. Der Wehrverein muß dem deutschen Volke die Überzeugung aufdrängen, daß Wehrfragen Vaterlandsfragen sind, die über den Parteien stehen müssen. (Lebhaftes Bravo!)“

Sowohl die Teilnahme von über 2000 Interessierten an dem Vortrag „Ist Deutschland für den nächsten Krieg gerüstet?“ als auch die umfassende Berichterstattung aller Braunschweiger Zeitungen machen deutlich:

Bereits im Herbst 1912 war in Braunschweig bekannt, dass ein Krieg bevorstand. Die Zeitungen in Braunschweig berichteten zunehmend über Kriegsgefahr und Kriegsvorbereitungen. Die geschürte Kriegsbegeisterung ging in der Bevölkerung einher mit einer Kriegsangst. Von Seiten der Arbeiter und der Sozialdemokratie gab es dagegen Proteste.

"Gott, Kaiser, Vaterland"

Hunderte solcher Kriegsgedichte sammelte Johann-Albrecht aus Tageszeitungen zusammen, wo sie landauf-landab erschienen sind und die Kriegsstimmung aufheizten.

"Gott, Kaiser, Vaterland."

Nun, deutsche Schmiede, hämmert
Stahlhart das deutsche Herz,
Der blut´ge Morgen dämmert,
Rings starrt die Welt in Erz!
Reicht, Brüder, Euch die Hand -
"Gott, Kaiser, Vaterland !"

Aus den zerfetzten Fahnen
Raunt es wie Geisterspruch,
Der Segen uns´rer Ahnen
Rauscht um das Bannertuch,
Uns eint ein heilig Band:
"Got, Kaiser, Vaterland !"

Laßt Euch die Wege weisen
Zur Weichsel und zum Rhein,
Und Eure Faust sei Eisen
Und Euer Herz sei Stein ! -
Die Feinde überrannt !!!
"Gott, Kaiser, Vaterland !"

Brecht durch nach allen Seiten
Gleichwie ein brandend Meer,
Die großen Toten schreiten
Im Sturmwind vor Euch her !
Nun lodre Weltenbrand !!
"Gott, Kaiser, Vaterland !"

Georg von Hülfen,
Norddeutsche Allgemeine Zeitung v.9.August 1914.
(aus: Kriegsklänge, Hrg. Johann-Albrecht, Leipzig 1915)


Johann-Albrecht effektivierte die Kriegslyrik

Die von Johann-Albrecht gebündelte Kriegslyrik dieser Art war vor Hundert Jahren ein ganz wesentliches Element zur Beeinflussung der Bevölkerung.
Seine Heftchen waren damals zusammen mit den Zeitungen das einzige Medieninstrument, denn Rundfunk oder Fernsehen gab es ja noch nicht.

Wenn also jetzt im offiziellen Kulturprojekt der Stadt unter "Moderne" zwar der "Medienkaiser" Gegenstand der Untersuchungen sein soll, drängt sich die Frage auf, warum dann gleichzeitig aber der eigene Regent von 1913, Johann Albrecht, in dieser Medien-Hinsicht übersehen wird?

Victoria Luise verkörperte Militarismus

In den Archiven finden sich reihenweise solche Foto-Belege, welche die Kaisertochter Victoria Luise in Militär-Uniform mit Totenkopf-Emblem zeigen.

Der Oberbürbermeister verkündete auf einer eigens zum Thema "Kulturprojekt 1913" einberufenen Pressekonferenz am 11.1.2013 im Rathaus, Braunschweig sei zwar klein, werde aber "geschichtsmächtig"  bundesweit auftreten.
Unter anderem soll dafür auch eine mondän gekleidete dänische Schauspielerin als "Protagonistin der Moderne" (BZ vom 12.1.13) auf dem Filmfest auftreten und im Potsdamer Palais mit einer "kleinen Victoria-Luise-Schau Lust auf Braunschweig"  entfacht werden.

Die Kaisertochter selbst zeigte sich vor hundert Jahren  eher martialisch in Uniform mit Totenkopfmütze.

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