26 - 04 - 2018

Werkstattbericht zum Krisenjahr 1913

Was Illies und Stölzl nicht sehen (wollen) 

Am 13. 3. 13 gab es im Institut für Braunschweigische Regionalgeschichte den ersten Werkstattbericht des Projekts des Friedenszentrums „Aufstieg und Niedergang - Die Gewerkschafts- und Friedensbewegung in Kriegsspendenaufruf aus dem ersten KriegsjahrBraunschweig um 1913“ statt. Henriette Lavaulx-Vrécourt M.A. und Christian Kramer M.A. zeigten ihre Zwischenergebnisse. Für die graphische Gestaltung war die Designerin Alexandra Funke zuständig. Alle Drei hatten, unterstützt durch freiwillige Helfer, im Stadtarchiv seit wenigen Wochen recherchiert.

Ihre Suche konzentrierten hauptsächlich auf die SPD-nahe Zeitung „Volksfreund“. Weitere Zeitungen werden noch durchforscht. Die Ergebnisse verdunkeln das heitere Bild vom „Sommer des Jahrhunderts“ 1913, das von Professor Christoph Stölzl nach Florian Illies’ Buch entworfen worden war.

Dass das Kaiserreich bewusst auf einen Krieg zusteuerte, lässt sich am deutlichsten an den fast wöchentlichen Wehrvorlagen belegen, die eine starke Aufstockung der militärischen Kräfte einleiteten. Die Folge war eine Erhöhung der Steuern und Zölle, was sich unter anderem auf die Preise für Lebensmittel niederschlug. Im „Volksfreund“ sind die sozialen Auswirkungen nachzulesen, welche vor allem die unteren Bevölkerungsschichten betrafen. Mütter klagten, dass sie ihre Kinder nicht mehr richtig ernähren konnten, weil eiweißhaltige Nahrung für sie unerschwinglich geworden war. Dazu kam, dass Braunschweig im Städtevergleich äußerst negativ abschnitt: Die Wohnungen waren schlechter als anderswo. Nur in Mecklenburg war es noch schlimmer.

Das wirkte sich auch auf die Gesundheit der Bevölkerung aus. Doch zur Sanierung war kein Geld da, was nicht zuletzt den politisch reaktionären Verhältnissen im Herzogtum geschuldet war.

Diese Ergebnisse, die noch weiter ergänzt werden, waren es vor allem, die das fachkundige Publikum beeindruckten. Aus ihnen lässt sich direkt ablesen, wie stark die kaiserliche Kriegsvorbereitung auch auf dem Leben der einfachen Menschen lastete. Auf der anderen, der bürgerlich-aristokratischen Seite, stehen Aufrufe, für den Krieg bereit zu sein – sinnigerweise nicht nur an die Männer, sondern auch an die sonst vom politischen Leben ausgeschlossenen Frauen gerichtet. Recht deutlich wurde die Tatsache, dass der kommende Krieg schon in den Köpfen war – ganz im Gegensatz zu dem, was Christoph Stölzl und Florian Illies behauptet haben.

Die Ergebnisse der Recherche werden in einem weiteren Werkstattbericht sowie in der zweiten Jahreshälfte in einer Broschüre und / oder Ausstellung präsentiert werden.

Inge Gerlach

Wie die Stimmen sich gleichen...

Bei der Recherche darüber, was Braunschweiger Bürger/Innen 1913 bewegte, fand die Initiative „jetzt-schlaegts-13" in allen Braunschweiger Tageszeitungen große Anzeigen für eine Veranstaltung des Deutschen Wehrvereins e.V. zum  Thema „Ist Deutschland für den nächsten Krieg gerüstet?".

Das Thema bewegt auch hundert Jahre später die politische Öffentlichkeit:

„Sind wir für die Auseinandersetzungen um die immer knapper werdenden Ressourcen gewappnet?" fragte am 4. Februar 2013 der Präsident der Bundeszentrale für Poltische Bildung Thomas Krüger in seiner  Eröffnungsrede der Bensberger Gespräche das Publikum. „Das Argument der Rohstoffe ist unwiderleglich wahr" zitiert er Walther Rathenau , einen deutschen Politiker am Vorabend des ersten Weltkrieges. Das Bundesministerium der Verteidigung war von der Bundeszentrale für politische Bildung zu der Tagung ebenfalls eingeladen worden und Herr Krüger wünschte allen Teilnehmern „für die kommenden Tage interessante Gespräche und Diskussionen und einen anregenden militärisch-zivilen Austausch".  http://www.bpb.de/presse/154969/energiepolitik-am-scheideweg-nationale-und-globale-dimensionen-der-geostrategischen-herausforderungen 

Was bedeutet der Totenkopf in Victoria Luises Kopfbedeckung?

Laut Wikipedia wurde das Braunschweigische Husaren-Regiment Nr. 17 auch als „Totenkopfhusaren“ bezeichnet. Ihr Enblem, der Totenkopf mit gekreuzten Knochen, war auf der Fellmütze befestigt. Der Totenkopf sollte zeigen, „Pardon wird nicht gegeben“.

Der  Totenkopf  als Symbol für die Bereitschaft zu bedingungsloser Gefolgschaft und rücksichtslosem Gewalteinsatz war schon 1741 beim 5. preußischen Husaren-Regiment an der Pelzmütze befestigt. 1809 wurde der Totenkopf auf der Kopfbedeckung beim Braunschweiger Husaren-Regiment Nr. 17 durch gekreuzte Knochen ergänzt. Diese Variante ist als „Braunschweiger Totenkopf“ Teil der Militärgeschichte geworden.

Im Ersten Weltkrieg schmückten sich Panzereinheiten und Flammenwerfer Einheiten mit dem Braunschweiger Totenkopf. Bei den Freikorps gegen die Novemberrevolution 1918/19 war diese Totenkopf – Variante Ausdruck für Anti-Liberalismus, Anti-Bolschewismus und militaristische Grundhaltung.

Auch die SS und die Wehrmacht der Faschisten nutzten den Totenkopf in der Braunschweiger Version als Abzeichen an den Uniformen der besonders grausamen Elitetruppen (Leibgarde Adolf Hitlers, SS - Totenkopfdivision, Panzertruppen).

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