14 - 08 - 2018

2013 das Jahr des Jahrhunderts?

„Jetzt schlägt's 13!“ liefert die Fakten!

„Wie hat Ernst August eigentlich regiert? Was hat er bewirkt? Victoria Luise ...war doch keine bedeutende Persönlichkeit... deshalb sollte sie nicht im Mittelpunkt des Jubiläums stehen.“ (OB Dr. Hoffmann in der BZ v. 21.9.2012 zum Thema 100 Jahre Herzogs-Hochzeit 2013)

So erklärt der Oberbürgermeister der Öffentlichkeit die Fokussierung des geplanten Millionenspektakels  „2013 - Jahr des Jahrhunderts“ auf den Welfen Ernst August.

Mit Hilfe der Stadtmarketing GmbH soll die Geschichte zur Hochzeit von Viktoria Luise für Werbung instrumentalisiert werden. Erhofft wird, dass die Feuilletons der überregionalen Presse Braunschweig positiv erwähnen. Mit 1.2 Mio. Euro soll dem Welfen Ernst August  erst ein positives faszinierendes Image gegeben werden, um dann davon zu profitieren.

Weil Marketing historische Tatsachen oft vernachlässigt oder des „guten Zweckes“ wegen beugt, erinnert die Initiative jetzt-schlaegts-13.com  zum Kulturspektakel „2013 – Jahr des Jahrhunderts“ an einige Fakten:

  • Viktoria Luise, die Tochter  Kaiser Wilhelms des II, der den 1. Weltkrieg durch den Überfall  auf  Belgien, Frankreich und Russland auslöste,  heiratete den Welfen Ernst August im Frühjahr 1913 in Berlin. Ernst August wurde erst im November 1913  als Regent in Braunschweig eingesetzt. Seine Regentschaft im „Jahrhundertjahr“ war insofern zeitlich belanglos.
  • Bis Ende Oktober 1913 herrschte in Braunschweig  Herzog Johann Albrecht. Er  sorgte als Präsident der Kolonialgesellschaft und durch sein Engagement im Flottenverein im Herzogtum für die „richtige“ militärische Gesinnung. Unter seiner Regentschaft fand in Braunschweig am 23.11.1912 eine große Veranstaltung des Wehrvereins statt zum Thema „Ist Deutschland für den nächsten Krieg gerüstet?“
  • Die SPD hatte 1913 in Braunschweig 60% der Wählerstimmen errungen. Sie war aufgrund des Dreiklassenwahlrechts im Landtag aber mit nur 10% der Abgeordneten vertreten.  Um das allgemeine Wahlrecht, soziale Fragen und gegen die Militarisierung gab es 1913 in Braunschweig schon heftigste Auseinandersetzungen.
  • Der Regent  Ernst August wollte die Braunschweiger schon in den ersten Wochen seiner Regentschaft  mit Gewalt einschüchtern. Bereits am 9.12.1913 gab es im Konzerthaus in der Salzdahlumerstrasse eine  „große öffentliche Protest-Versammlung gegen Militärdiktatur und Säbelherrschaft“, zu der die SPD aufgerufen hatte. Sechs große Protestveranstaltungen für ein gleiches, geheimes Wahlrecht folgten am 29. Januar 1914. Diese Proteste ließ Ernst August mit äußerster Brutalität niederschlagen. Als Antwort rief die SPD schon am 1.2.1914 zur nächsten Protest-Versammlung auf zum Thema „Die erste Straßenschlacht unter der Regierung Ernst August“.

Schwere Zeiten  für die Arbeiter und Teile der liberalen Bürgerschaft in Braunschweig – gleichzeitig Champagner-Hochzeit mit  Victoria Luise mit Gemahl für Feudaladel und Offizierskorps. Hannover unterlässt die Werbung mit dem „Pinkel-Prinzen“, dem Welfen Ernst August. Braunschweig wäre gut beraten, den „Prügel-Prinzen“, den Welfen Ernst August von 1913 nicht als Werbefigur zu benutzen.

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