26 - 04 - 2018

Die offizielle Bilanz der "1913"-Feiern

Natürlich war alles richtig gewesen, was man geplant habe, nölte Hoffmann am 19.12. in der Dornse, und Biegel habe auch noch den weltberühmten Bestseller-Autor Professor Clark dahergebracht, der die These von der Ahnungslosigkeit der Teilnehmer jener Fürstenhochzeit bestätigt habe. Berühmte Leute hätten den Mut der Braunschweiger gelobt, die den Mut zu einem solchen Unterfangen gehabt hätten. Nur das Land Niedersachsen habe nicht so richtig mitgespielt. Aber der größte Dank gebühre  Professor Stölzl, der dem Ganzen erst einen Sinn verliehen habe. Damit leitete Hoffmann über zum Spiritus rector des ganzen Unternehmens.

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Stadt behindert wissenschaftliche Recherche im Rahmen des Projektes 1913-2013

„Kopien sind für Sie nicht mehr kostenlos!“, so  mussten sich jetzt mehrere Bürger/innen  der Initiative  „jetzt-schlaegts-13.com“ im  Stadtarchiv belehren  lassen.  Für jede kopierte Seite einer Tageszeitung sollen 2 Euro bezahlt werden.

Bisher galt  die  Zusage von Frau Dr. Hesse  (Kulturamt der Stadt), dass im Rahmen des „Jahrhundert-Jahres“ der Stadt freie Träger und Initiativen  im Stadtarchiv für Recherche kostenfrei kopieren durften. Noch war  der Januar des Jahrhundertjahres nicht vorbei, da wird die Zusage ohne Begründung wieder  aufgehoben.  Sind einige hundert Euro für Kopien von Tageszeitungen aus dem Jahr des Jahrhunderts für den städtischen  1.2 Mio Euro Marketing-Etat schon zu viel?  Nach welchen für Bürger überprüfbaren Kriterien  werden  eigentlich wem Gelder bewilligt, so z.B.   26000 Euro    für eine  Abendveranstaltung mit  Florian  Illies?

Willkürliche Entscheidungen  von Verwaltungen sind  seit 100 Jahren überholt – nur  in Braunschweig  regieren  offensichtlich immer  noch  Kleingeist und   Anmaßung wie in feudalen Fürstentümern.

2013 das Jahr des Jahrhunderts?

„Jetzt schlägt's 13!“ liefert die Fakten!

„Wie hat Ernst August eigentlich regiert? Was hat er bewirkt? Victoria Luise ...war doch keine bedeutende Persönlichkeit... deshalb sollte sie nicht im Mittelpunkt des Jubiläums stehen.“ (OB Dr. Hoffmann in der BZ v. 21.9.2012 zum Thema 100 Jahre Herzogs-Hochzeit 2013)

So erklärt der Oberbürgermeister der Öffentlichkeit die Fokussierung des geplanten Millionenspektakels  „2013 - Jahr des Jahrhunderts“ auf den Welfen Ernst August.

Mit Hilfe der Stadtmarketing GmbH soll die Geschichte zur Hochzeit von Viktoria Luise für Werbung instrumentalisiert werden. Erhofft wird, dass die Feuilletons der überregionalen Presse Braunschweig positiv erwähnen. Mit 1.2 Mio. Euro soll dem Welfen Ernst August  erst ein positives faszinierendes Image gegeben werden, um dann davon zu profitieren.

Weil Marketing historische Tatsachen oft vernachlässigt oder des „guten Zweckes“ wegen beugt, erinnert die Initiative jetzt-schlaegts-13.com  zum Kulturspektakel „2013 – Jahr des Jahrhunderts“ an einige Fakten:

  • Viktoria Luise, die Tochter  Kaiser Wilhelms des II, der den 1. Weltkrieg durch den Überfall  auf  Belgien, Frankreich und Russland auslöste,  heiratete den Welfen Ernst August im Frühjahr 1913 in Berlin. Ernst August wurde erst im November 1913  als Regent in Braunschweig eingesetzt. Seine Regentschaft im „Jahrhundertjahr“ war insofern zeitlich belanglos.
  • Bis Ende Oktober 1913 herrschte in Braunschweig  Herzog Johann Albrecht. Er  sorgte als Präsident der Kolonialgesellschaft und durch sein Engagement im Flottenverein im Herzogtum für die „richtige“ militärische Gesinnung. Unter seiner Regentschaft fand in Braunschweig am 23.11.1912 eine große Veranstaltung des Wehrvereins statt zum Thema „Ist Deutschland für den nächsten Krieg gerüstet?“
  • Die SPD hatte 1913 in Braunschweig 60% der Wählerstimmen errungen. Sie war aufgrund des Dreiklassenwahlrechts im Landtag aber mit nur 10% der Abgeordneten vertreten.  Um das allgemeine Wahlrecht, soziale Fragen und gegen die Militarisierung gab es 1913 in Braunschweig schon heftigste Auseinandersetzungen.
  • Der Regent  Ernst August wollte die Braunschweiger schon in den ersten Wochen seiner Regentschaft  mit Gewalt einschüchtern. Bereits am 9.12.1913 gab es im Konzerthaus in der Salzdahlumerstrasse eine  „große öffentliche Protest-Versammlung gegen Militärdiktatur und Säbelherrschaft“, zu der die SPD aufgerufen hatte. Sechs große Protestveranstaltungen für ein gleiches, geheimes Wahlrecht folgten am 29. Januar 1914. Diese Proteste ließ Ernst August mit äußerster Brutalität niederschlagen. Als Antwort rief die SPD schon am 1.2.1914 zur nächsten Protest-Versammlung auf zum Thema „Die erste Straßenschlacht unter der Regierung Ernst August“.

Schwere Zeiten  für die Arbeiter und Teile der liberalen Bürgerschaft in Braunschweig – gleichzeitig Champagner-Hochzeit mit  Victoria Luise mit Gemahl für Feudaladel und Offizierskorps. Hannover unterlässt die Werbung mit dem „Pinkel-Prinzen“, dem Welfen Ernst August. Braunschweig wäre gut beraten, den „Prügel-Prinzen“, den Welfen Ernst August von 1913 nicht als Werbefigur zu benutzen.

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