20 - 10 - 2018

Leserbrief in der BZ vom 01.02.2013

Heide Janicki: Pazifismus hatte 1913 keine Chance mehr

Zu "Die wachsende Verzweiflung eines Pazifisten" vom 31. Januar 2013: 

Die Geschichtsbetrachtungen des Herrn Stölzl sind insofern vollkommen unverständlich, als ein Blick in die Zeitungen jener Jahre vor 1913/14 offen legt, dass zügig auf die nächste kriegerische Auseinandersetzung hingearbeitet wurde.

 

Am 16. August 1905 finden wir auf der Titelseite: "Der Kaiser der indogermanischen Rasse." Der Artikel beginnt mit den Worten: "Wann kommt der europäische Krieg?

Oder 1908 - da berichtet der "Volksfreund", dass die Braunschweiger "Neuesten Nachrichten" darüber spekulieren, ob sich Braunschweig als Kriegshafen eignet. Im gleichen Jahr ist aber auch über Friedensdemonstrationen von englischen und deutschen Arbeitern zu lesen. Und alles vor dem Hintergrund von Deutschlands militärischer Präsenz weltweit und dem Völkermord an den Herero und Nama im heutigen Namibia.

Parallel sind Organisationen gegründet worden, deren einziger Zweck es war, den Kampf um die Köpfe zu führen, etwa der "Deutsche Wehrverein", der sich 1912 auch in Braunschweig gründete und auf seiner ersten Veranstaltung die Frage stellte: "Ist Deutschland für den nächsten Krieg gerüstet?" Der sei nötig, um unter anderem "neue Siedelungsgebiete zu suchen" - nachzulesen in den "Braunschweigischen Anzeigen" vom 23. November 1912.

Diese Momentaufnahmen zeigen, dass die herrschende Politik durchsetzt war von Chauvinismus und Kriegslüsternheit. Professor Stölzl, der für sich in Anspruch nimmt, Historiker zu sein, müsste das wissen.

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