10 - 12 - 2018
Geschrieben von: Ingeborg Gerlach - Sonntag, den 25. November 2012
 

Ingeborg Gerlach schrieb vom anstehenden Braunschweiger Jubeljahr 1913. "Da reißt man ein Thema aus dem Zusammenhang und versperrt dem Betrachter des Jahres 2013 die Einsicht, dass „1913“ nicht der Anfang der Moderne war, sondern das Ende einer unaufhaltsamen Entwicklung hin zum Abgrund." Frau Gerlach ergänzt nun ihren Text, indem sie den Bekannten Historiker Wolfram Wette zitiert: „Letzter Appell an Europa“

Wolfram Wette schreibt in der ZEIT über den Basler Friedenskongress 1912

Genau 100 Jahre sind es nun her, seitdem in Basel die Sozialistische Internationale zu einem großen Antikriegskongress zusammentrat. Der Historiker Wolfram Wette berichtet darüber in der ZEIT vom 22. November 2012 ganzseitig in der Rubrik „Geschichte“. „Letzter Appell an Europa“ überschreibt Wette seinen Bericht, und er schildert mit aller Deutlichkeit, welche Kriegsgefahr sich schon Ende 1912 abzeichnet: „Die Katastrophe ist bereits zu ahnen. Von Krise zu Krise – ob in Marokko oder auf dem Balkan – treibt Europa dem großen Krieg entgegen“, beginnt sein Text. Von Christoph Stölzl dilettantischem Unentschieden zwischen Krieg und Frieden kann keine Rede sein. Stattdessen warnen Delegierte aus 23 Ländern vor der heraufziehenden Gefahr und versuchen eine Allianz gegen den Krieg zu schmieden. Eigentlich hätte der Kongress erst 1913 stattfinden sollen. Aber für so groß erachtete man die Kriegsgefahr, dass man ihn ins Jahr 1912 vorverlegte. Hätte man es beim ursprünglichen Datum belassen, wären die Ausstellungsmacher der Braunschweiger Kulturverwaltung nicht so ohne Weiteres daran vorbeigekommen und hätten die bestehende Kriegsgefahr nicht derart ignorieren dürfen, wie sie es mit ihrem zusammenhangsfreien Konzept à la Florian Illies betreiben. Aber sie wollen die Illusion eines festlichen Spektakels bewahren, das, nur auf den Augenblick beschränkt, kein Nachher kennt.

Kommentare (1)

Ulenspiegel - Montag, November 26, 2012 at 12:04 Es ist doch offenkundig, ähnlich wie beim Kaiser-Otto-Projekt, dass man mangels sonstiger Einfälle im Marketingbereich dieser Stadt, wieder die Tendenz hat, irgendwas zu veranstalten, was Braunschweig wirtschaftlich mehr nach vorne bringt. Das ist zwar löblich, dass man mehr Wirtschaftskraft generieren möchte, wirkt jedoch etwas lächerlich, wenn man dazu Pseudo-Histörchen an den wenigen Haaren herbei ziehen muss, die keiner fachlichen Bewertung renommierter Historiker standhalten würde. Wenn man Konsum, Party und Spiele fürs Volk veranstalten möchte, sollte man das offen zugeben, auch gerade angehen, statt dann Braunschweig wieder so peinlich um Aufmerksamkeit bemüht aussehen zu lassen vor der Fachwelt. Niemand zwang uns dazu, uns gerade auf 1913 zu versteifen, wir hätten enorm viele andere Braunschweiger Errungenschaften zu bieten: Braunschweiger Bürger glänzten einst und auch 1913 vor Innovation, Erfindungsgeist und Einfallsreichtum, allein die Hansezeit brachte durch geschickte Wirtschaftskompetenz die Stadt zum Erblühen. Was aber brachte der Adel dieser Stadt? Da fällt mir nur unser weithin gelobtes damals modernes Theater ein, welches von Fremden über alle Maßen gelobt und sogar besser als die Londoner Bühne war (siehe Moderhack/Besucher im alten Braunschweig). Man engt sich hier selbst nur unnötig ein, Braunschweiger lenkten Geschichte, waren weltweit technische Trendsetter (z.B. Geigerzähler) und sie können selbst genügend, wer braucht da gekröne Häupter? Gibt genug Firmenhistorien, die das belegen, einfach mal Recherche machen, liebe Marketingler, liebe Kulturschaffende, Parteien und Bürger

http://www.braunschweig-spiegel.de/index.php?option=com_content&view=article&id=3321:vom-drohenden-krieg-ueberschattet&catid=64:politik-kategorie-politik-allgemein&Itemid=150

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