09 - 08 - 2020

75 Jahre nach Befreiung

Sohn des Fürstenpaares, Ernst-August jr., trat schon 1933 der SS bei

Paukenschlag durch Landtags-Anfrage - Beteiligung des letzten Braunschweigischen Herzogpaares am Holocaust im 2. Weltkrieg ...

Nirgendwo scheint die Verquickung und der Übergang von 1. zum 2. Weltkrieg so exemplarisch zu sein, wie in Braunschweig. Kaum vom Thron abgesetzt, zog sich 1918 das Herrscherpaar Ernst August und Victoria Luise auf ihr österreichisches Schloss in Gmunden/Cumberland an der Traun, am See zurück und knüpfte Beziehungen zu Rechts-Nationalen.

In Braunschweig bekam Hitler seine deutsche Staatsbürgerschaft und ab 1933 startete die Welfen-Familie dann durch:

- Besuch bei Hitler mit Alpensträußchen und Knicks vor dem Führer von Victoria Luise, im Mai 1933 stramme Parade der sog. "Welfen - Legion" vor der Welfenfamilie in Wittingen und Eingliederung der Formation in die SA.

- Ende 1933 folgte der Eintritt des Sohnes Ernst-August jr. in die Reiter-SS - wie gemerkt, alles aus freien Stücken.

Als dann auch noch Österreich 1938 ins deutsche Reich eingegliedert wurde, folgte der geschäftliche Durchmarsch der Fürstenfamilie mit Arisierungen großer Industriebetriebe der Metall- und Bau-Industrie. Mit geheimen Aufträgen der SS und der Wehrmacht beteiligte sich die Welfenfamilie an KZ-Bauten und bis zum Ende des Krieges an der sog. Wunderwaffen-Produktion in unterirdischen Stollen bei Gusen/St. Georgen (Projekt Bergkristall) bei Mauthausen.

Dorthin hatten die Nazis gleich ab 1938/1939 neben religiös und rassisch Verfolgte vor allem auch politische Gefangene aus Spanien (Franco-Gegner), dann aus Frankreich (Resistance)  und Verschleppte Polen und Ukrainer sowie Russen interniert.

Leider waren diese Vorgänge und Zusammenhänge mit dem Braunschweigischen Herrscherhaus über 70 Jahre lang in Vergessenheit geraten. So ehrte man (und verehrt immer noch) in Braunschweig vor allem die einstige Fürstin Victoria Luise und schmeichelte ihr jüngst sogar mit Hallo Vicki-Lou! als Kosenamen.

Mit dem Gespann des Ex-OB Hoffmann und Briefmarkenhändlier Richard Borek ab 2002 brachen dann alle Dämme in Sachen Fürstenverehrung: Braunschweig als Fürsten- und Residenzstadt, Wiedererrichtung der Schlossfassade unter der Fuchtel sog. Schloss-Freunde, monarchistischer Kreise um Richard Borek, seit September 2019 Ehrenbürger der Stadt Braunschweig.

Schaut man zurück, drängt sich da schon mal der Gedanke auf, dass sich Geschichte wiederholt - und sei es als Farce ...

siehe auch andere Identitäts-stiftende Projekte von B. in Braunschweig:

- die Christentums-Säule 2006 auf dem Ruhfäutchenplatz zur Investitur des Ritterordens des heiligen Grabes zu Jerusalem

- maßgebliche Kontrolle  in einem Riddagshausener Kuratorium der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz rund um die Buchhorst, Riddagshausener Klosterkirche, Grüner Jäger und ehemals Göring´scher Wald- und Forstgebiete.

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